Samstag, 27. September 2008

Zwei Freunde braucht man in Berlin

Zwei Wochen sind vorbei. Zwei Wochen, in denen ich schon jede Menge erlebt habe. Die Arbeit macht Spaß und Berlin hat Tag und Nacht so viel zu bieten, das Schlaf fast Zeitverschwendung ist. Was aber das Wichtigste ist: Ich habe hier ziemlich schnell nette Leute kennen gelernt und Freundschaften geschlossen. Meine zwei besten Freunde hier habe ich schon richtig lieb gewonnen. Die eine habe ich gleich am Flughafen getroffen. Ich stand am BVG-Schalter für mein Busticket an, sie ein ein paar Meter vor mir und irgendwie waren wir uns gleich sympathisch. Da bin ich einfach auf sie zugegangen. Auf der Busfahrt ins Zentrum haben wir uns dann näher kennen gelernt und seither sehen wir uns fast täglich. Bin total froh, dass ich sie habe. Da wird man irgendwie gleich aufgefangen in dieser schwierigen Situation, wo alles neu und fremd ist. Mein anderer „bester Kumpel“ arbeitet mit mir. Er ist schon etwas länger im Amt als ich und kannte sich deswegen schon recht gut aus. Wie der Zufall so will, liegen unsere Arbeitsplätze gleich gegenüber. Ganz lustig, dann kann man neben der Arbeit immer ein bisschen quatschen. Und wenn ich ehrlich bin, sieht er auch ganz schnuckelig aus. Ja ich hab sie echt lieb gewonnen, die zwei: meine Straßenkarte mit integriertem U-Bahn-Plan und mein Ficus im Büro...

Viele Grüße aus der Großstadt,

gkk


























Montag, 22. September 2008

Ein Sandwich für 75 US-Dollar

Wann habt ihr zuletzt etwas Gutes getan? Einem Fremden geholfen? Wann seid ihr zum letzten Mal gegen die Ungerechtigkeit der Welt aktiv geworden anstatt von ihr zu profitieren?

Ich schon lange nicht mehr. Es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Und der Wille ist da, jeden Tag. Nur wie, das weiß ich nicht so recht. Einmal war ich bei einem Treffen der Hochschulgruppe Amnesty International. Doch statt wirklich was auf die Beine zu stellen, geht es da vor allem um's quatschen, hatte ich das Gefühl. Dabei will ich unmittelbar helfen können, ohne viel Engerie für das Darüberreden und aufs Probleme-Aufmerksam-Machen zu verschwenden.

Heute war ich bei der Berliner Zentrale von Ärzte ohne Grenzen oder Médecins sans frontières (MSF) zu Besuch. Und ich war beeindruckt. Da wird wirklich etwas getan. Dienst am Menschen, vor Ort, unmittelbar. Da habe ich wieder gemerkt, dass ich etwas tun will. Nicht ganz uneigennützig, wenn ich ehrlich bin. Ein ein Job, bei dem ich mit dem, was ich kann, Gutes tue, wäre wohl der erste Job, der mich rundherum erfüllt.

Achja, was es mit dem Sandwich auf sich hat: In der Zentralafrikanischen Republik, einem Einsatzgebiet der MSF, gibt es enorme ökonomische Probleme – wenn man das überhaupt noch so nennen kann. Eine Inflationsrate von 120 000 oder so ähnlich. Wenn man Vormittags für 1 Million mit dem Bus ins Krankenhaus fährt, kann es passieren, dass ein Fahrschein für die gleiche Strecke am Nachmittag schon 150 Millionen kostet. Ja und ein Straßenhändler verlangte von einem MSF-Mitarbeiter eben umgerechnet 75 US-Dollar für ein Sandwich, weil er, wie er selbst sagte, keinen Überblick mehr habe...

www.aerzte-ohne-grenzen.de

Macht auch was! Und viele Grüße aus der Großstadt,
gkk

Samstag, 20. September 2008

Eine Bayerin in Berlin


Links: Mein Home-Office.









„Startschuss zur größten Massenintoxikation der Welt“, hieß es heute in einer Eilmeldung auf süddeutsche.de. Meine Sinne noch nicht ganz beisammen, weil müde von gestern und ohnehin etwas krank, habe ich in meiner sonnigen kleinen Loggia einen ziemlichen Schreck bekommen. Oh Gott, was ist denn da passiert, dachte ich. Dachte ich wirklich. Bis ich dann auf die Nachricht klickte und verstand: O'zapft is in Minga. Ja mei...

Ja Leute, mittlerweile bin ich schon eine ganze Woche in Berlin und daher ist es wohl Zeit für ein kleines Resümée, damit ihr auch wisst, was ich hier den ganzen Tag so mache ohne euch alle. Zuerst zu meiner Arbeit: Ich kann natürlich nicht frei von der Leber weg erzählen, weil ich ja zur Geheimhaltung verpflichtet bin, deswegen nur so viel: Die Woche ist ganz gut gelaufen, es ging alles etwas drunter und drüber am Anfang. Richtig große Sachen hab ich noch nicht gemacht, aber immerhin könnt ihr schon etwas von mir lesen im Netz. Die Leute sind ganz nett zu mir, natürlich findet man nicht zu allen einen gleich guten Draht, aber das ist okay. Schön ist, dass sich Mittags die Hospitanten zum gemeinsamen Essen in der Kantine treffen und das - ich nenne es mal - Bildungs- und Freizeitprogramm richtig interessant ist. Dienstags ist zum Beispiel abends immer HOSP-Stammtisch. Am liebsten wäre es mir, wenn ich in den nächsten Wochen vielleicht ein eigenes Projekt oder zumindest spezielle Aufgaben zugeteilt bekomme, damit ich auch möglichst viel mitnehmen kann für berufliche Zukunft.

Leider hab ich mich ein wenig erkältet hier, ist es bei euch auch so kalt geworden? Naja, aber mit meiner neuen Lederjacke, die ich mir gleich am ersten Tag, ungefähr zwei Stunden nachdem ich angekommen war, hier gekauft habe (ich wollte eigentlich gar nichts, ja!), muss ich in den nächsten Wochen bestimmt nicht frieren. Übrigens habe ich hier schon eine Jogging-Strecke gefunden. Man glaubt es kaum, aber sogar ein Schotterweg, direkt vor meiner Tür. Ist echt ganz schön, so am Kanal entlang. Nur bin ich es nicht gewöhnt, dass mir dabei so viele Menschen zuschauen wie hier. Klar, die Erholungsflächen hier in der Stadt sind nicht so groß, da tummelt sich dann alles auf den wenigen Plätzen.


An die Münchner unter euch: Denkt mal an mich, wenn ihr eure Wiesn-Maß genießt. Hab gestern auch schon ein bisschen bayerisches Kulturgut verbreitet und mit meinem Zwischenmieter ein Weihenstephaner Weizen getrunken und ihm erklärt, dass es „Mass“ heißt, und nicht „Maas“.


In diesem Sinne: Servus und viele Grüße aus der Großstadt,
gkk

Montag, 15. September 2008

Mein erster Tag bei Fränky Steini


Heute Morgen bin ich zwei Mal aufgewacht. Erst um sieben, mit dem leisen Klicken meines neuen rosafarbenen Weckers. Das Klicken, das man hört, wenn der Zeiger auf die augewählte Uhrzeit springt, noch bevor der Alarm selbst losgeht. Dann bin ich duschen und dann bin ich ein zweites Mal aufgewacht. Denn als ich ich neben – ich betone NEBEN – dem Waschbecken im Badezimmer stand und mir aus ich würde sagen sicherer Entfernung meine Haare kämmte, kippte plötzlich ein Regalbrett aus dem Schrank und das Waschbecken zerbrach. Einfach so, während ich dastand, mit dem Kamm in der Hand, brach das Becken an zwei Stellen durch. Da war ich wirklich wach.

Anschließend mit der U8 und meiner Verkleidung zum ersten Arbeitstag. Dort erwarteten mich erstens viele viele andere Verkleidete und zweitens so unglaublich viele erste Eindrücke, so viele Namen und Geschichten, dass ich die meisten schon wieder vergessen habe. Deswegen möchte ich erst Ende der Woche was zu meiner Arbeit erzählen.

Das, was mich heute ehrlich gesagt am meisten beeindruckt hat, waren zum Einen der Paternoster-Fahrstuhl, weil ich noch nie mit so einem gefahren bin und zweitens die Dachterasse, wo man sich nach dem Mittagessen „auf ein Käffchen trifft“, wie mir eine andere Praktikantin erklärt hat. Dort stehen dann ein Haufen Leute in Businesskleidung, Zigarette in der einen und Kaffee in der anderen Hand über den Dächern Berlins. Und das Beste: Mein verkleidetes Ich mittendrin.

Ich bin gespannt auf morgen.
Und achja, was ich noch sagen wollte: Berlin - ich glaub, ich mag dich.


Viele Grüße aus der Großstadt,
gkk

Bild: Mein Büro :-)

Der rote Koffer von Berlin

Als das Fahrwerk mit einem leichten Ruck auf der Landebahn in Tegel aufsetzte, wurde mir erst richtig bewusst, was da vor mir lag: Sieben Wochen in einer fremden Großstadt, ohne Bekannte, Freunde oder Familie, und einer Arbeit, bei der ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob ich ihr gewachsen bin. Nu denn, auf jehts...

Ich hob meine 34 Kilo, verpackt in einer roten, jetzt presswurstähnlichen Reisetasche und einem blauen Trolli, vom Gepäckband und machte mich auf die Suche nach dem Flughafenbus. Es mag für euch nicht besonders spannend sein, aber ich will euch erzählen, wie mich Berlin auf meiner Fahrt vom Flughafen bis zum Kottbusser Tor Willkommen hieß.

Nach zwei Stationen kam ein älterer Rollstuhlfahrer in den Bus. Der für ihn reservierte Platz war zunächst mit Koffern und allerlei Gepäck zugestellt, wurde aber von den umher stehenden Leuten schnell frei gemacht. Bis auf einen roten Koffer. „Wem jehört denn dieser rote Koffer hier?“, brüllte er durch den Bus. Niemand reagierte. Ein netter Herr startete einen nett gemeinten Versuch auf Englisch – in etwa so: „Is sere somewhere wis the red buggage?“ Keiner reagierte. Jemand rückte den ominösen Koffer freundlicherweise trotzdem zur Seite, so dass der Hilfsbedürftige wirklich genügend Platz hatte. Ein paar Minuten später, ich sog gerade die ersten visuellen Eindrücke der Stadt auf, fing der Rollstuhlfahrer abermals an zu brüllen: „Ja jehört denn niemandem dieser rote Koffer? Man sollte ihn bei der nächsten Haltestelle rausschmeißen, den Koffer. Sowat Stures, also ne.“ So ging das alle paar Minuten weiter, bis der Mann schließlich ausstieg, der Koffer blieb und von den Neuankömmlingen wieder ein bisschen verschoben wurde. Nun stand er mir gegenüber am Durchgang, angelehnt an die dortigen Sitzplätze. Eine alte Omma kam herein, ziemlich gebrechlich, musste sich beim gehen festhalten und bekam von einer jüngeren Omma einen Sitzplatz zugewiesen, den die ältere Omma vor sich hin brummend an nahm. Beim Hinsetzen war ihr aber nun dieser rote Koffer im Weg. Zitternd und wackelnd schaffte sie es trotzdem, sich zu setzen. Mit einem Male schien Omma Alt aber ungeahnte Kräfte zu entwickeln: Mit einem gekonnten Fußtritt, schubste sie den roten Koffer quer über den Gang auf meine Reisetasche. Ich dachte mir nicht viel dabei, war aber etwas verwundert. Der Koffer ragte nun ein bisschen in den Durchgang, aber die Leute konnten alle noch vorbei gehen. Alle bis auf einen Opa mit Stock, der nun hereinkam. „Soll ick drübersprinjen oder wat?“, raunzte er in meine Richtung und wedelte dabei drohend mit seiner Gehhilfe. Ich blickte ihn zuerst etwas verdutzt an, stellte den roten Koffer dann mit einiger Mühe wieder auf und platzierte ihn wieder auf der anderen Seite des Ganges – Omma alt war inzwischen ausgestiegen. Dann schickte er noch ein „Sehr großzügig, junge Dame!“ hinterher. Willkommen in Berlin, Coco!

Nichtsdestotrotz: Der Weg führte mich gleich an ein paar Wahrzeichen wie dem Kanzleramt, dem Dom und dem Alex vorbei, die Sonne schien und es sind mir auch noch ein paar nette Menschen begegnet, die mir sogar beim Tragen halfen. So habe ich es samt meiner 34 Kilogramm bis vor die Wohnungstüre geschafft.

Mittlerweile sitze ich in einem Zimmer, das nun für sieben Wochen meins sein wird, mit Blick auf den Kottbusser Damm und das Leben, welches sich hier Tag und Nacht durch die Straßen schiebt. Und ich kann es gleich aus drei Fensterfronten beobachten – da wird mir so schnell bestimmt nicht langweilig.

Viele Grüße aus der Großstadt,
gkk

Freitag, 12. September 2008

On y va...

So, nach mehreren Stunden Chaos in meiner gesamten Wohnung und im Kopf sind es nun nur noch ein paar Stunden bis meine Reise beginnt. Immer wenn ich daran denke, was mich wohl erwarten wird in den nächsten Wochen, durchfährt mich ein kleiner Adrenalinstoß. Praktikum, Wohnung, Leute - ich hoffe, es erwarten mich viele viele ganz einmalige Erfahrungen. Natürlich kann nicht alles glatt laufen. Insgesamt wünsche ich mir aber schon, dass es ein positives Erlebnis wird, meine Zeit in BERLIN!

Davor gibt es aber noch ein paar Probleme zu lösen: Was packe ich ein und was muss ich nicht unbedingt mitnehmen. Und vor allem - wie bekomme ich bloß alles in meine Koffer? Und wo hab ich bloß meine kleine Reiseseife, die ich extra gekauft habe, und meinen Zahnputzbecher? Oje.

Viele Grüße noch weit weg von der Großstadt,
gkk



Montag, 1. September 2008

Großes Kleinstadtkind geht - in die Großstadt

Tatsächlich hat sich für mich vor einigen Tagen die Möglichkeit für ein kurzfristiges Praktikum in der deutschen Großstadt itself ergeben. Das bedeutet jetzt erst einmal ziemlichen Stress und viel Organisation für mich, aber auch eine Chance - beruflich wie persönlich. In nicht mal zwei Wochen geht es schon los...

Und weils thematisch so gut passt, wird sich mein Blogleben in den nächsten Wochen deshalb vor allem darum drehen.

Ich freu mich drauf.
Grüße aus der Kleinstadt,

gkk