Mittwoch, 22. Dezember 2010

Istanbul, 22.Dezember 2010 - sonnig, 15 Grad


Unimaterialien fliegen durch's Zimmer, das Paper nur angefangen, die Tasche halbgepackt, auf der Suche nach Geld, um das Taxi morgen früh noch bezahlen zu können - und ich sitze auf unserer Dachterrasse, mit Café Mocha in der einen, einer Malboro in der anderen Hand, und blicke auf diese verrückte, verrückte Stadt.

Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass ich in ein paar Stunden schon im Bayerischen Wald sitzen soll, meiner alten Heimat, bei meinen Eltern, den Tannenbaum schmücken, mit den Nachbarn quatschen, Weihnachtslieder, Schneemassen, Freunde sehen, über die Jahre gefestigte persönliche Traditionen. Ich weiß grad auch gar nicht, ob dieser Bruch so richtig ist. Ein bisschen fühlt es sich auch schon nach Abschied an. Wenn ich zurück komme, bleiben nur noch ein paar Wochen, dabei gibt es so viele Menschen, die ich noch näher kennen lernen möchte. Die ersten werden schon Mitte Januar weg sein. Und während ich über die Zeit hier nachdenke, die viel zu schnell verfliegt, mischt sich die Freude über das, was war, mit der Vorfreude auf das, was noch kommt. Auch ein bisschen Unsicherheit. Und den Gedanken, wie es sein wird, wenn ich wieder nach Hamburg komme.

Melankoli, melankoli...
gkk

Bild: meine Straße. Dönmez sokak - oder 'die Straße, die nicht zurückkommt'.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Santa on the run.


Müde aber glücklich sitze ich gerade zwischen meinem bunt blinkendem Weihnachtsbaum aus Plastik und den letzen Gläsern, die nicht mehr in die Spülmaschine gepasst haben. Die Spuren von gestern.

'Santa on the run' war das Motto der Weihnachtsparty, zu der ich gestern in unserer Flat geladen hatte. Aus geplanten 20 Leuten (neeeee, das wird nicht so groß. Ich hab nur ein paar Freunde eingeladen) sind dann irgendwie vielmehr geworden, ich habe meine superlieben Nachbarn von nebenan kennengelernt,die Leute haben megakitschige und deswegen megacoole Weihnachtsdeko mitgebracht und das beste: ich glaube, jeder hatte einen lustigen Abend. Mein selbstgemachter Glühwein hat sich als der Renner überhaupt herausgestellt und der war an der guten Stimmung sicher beteiligt. Auch wenn ich dachte, als gute Gastgeberin muss ich mit jedem Schnaps trinken und ich so am Ende wohl die Betrunkenste von allen war. =)

Jetzt hoff ich nur noch, dass am Donnerstag mein Flug nach Hause auch tatsächlich fliegt. Und dass die restliche Zeit hier nicht so schnell vorbeigeht und mich noch ein paar schöne Wochen erwarten...

Öpüyorum.
gkk

Montag, 13. Dezember 2010

Socken, Chinaballs und heiße Polizisten

Hinter mir liegt so ziemlich das krasseste und emotionalste Wochenende, das ich bisher in Istanbul erlebt habe. Ich habe zwei Nächte in der Polizeistation Istanbul-Taksim verbracht. Aber von vorne...

Freitagabend wurde mir in meinem (bisherigen) Lieblings-Club mein Handy gestohlen. Noch während ich draußen stand und überlegte, was ich nun tun sollte, kam meine Mitbewohnerin kreischend mit einem Bulk an Männern aus dem Laden - einer hatte versucht in ihre Handtasche zu greifen. Sie und ein Bekannter hielten den Typ fest - der war nur leider ein Kumpel von den Türstehern und dem Club owner. Wir also zum nächsten Polizeiauto, das wir fanden und mit denen wieder runter. Polizei, Clubleute und wir stehen also draußen und streiten, dann gaben sich plötzlich auch zwei Zivilpolizisten zu erkennen, die uns am Anfang nicht geholfen hatten. Und alle kannten sich irgendwie. Irgendwann mussten wir uns anhören (meine Mitbewohnerin musste es sich anhören, ich hab den ganzen Abend sowieso nichts verstanden) wir machen das nur wegen unserem Ego und wollen Aufmerksamkeit. Hm, danke.

Als zwei betrunkene, leicht bekleidete Damen vorbeikamen und anfingen, die Polizisten anzumachen, haben die auch ganz schnell das Interesse an uns verloren und uns alleine zur Polizeistation geschickt. Dort angekommen, erzählen wir unsere Geschichte und als die die vier Streifen anfunken, um zu fragen was passiert sei und warum sie nicht mitgekommen sind - da war plötzlich keiner der Streifenwagen an dem Vorfall beteiligt...

Naja. die Geschichte geht noch weiter, und wir haben auch Samstagnacht bis fast vier Uhr morgens in der Polizeistation. Und es ist noch so einiges seltsames passiert. Das Ergebnis: der Dieb wurde festgenommen (wie sich herausgestellt hat, war er vom Team), ich hab mein Handy wieder, und die Erkenntnis, dass so ein zuverlässiger Rechtsstaat schon was Schönes ist. Achja, und wir haben einige Bekanntschaften gemacht: ein Junge, der beim Einbrechen erwischt wurde und uns erklärt hat, wie man in jedes Haus reinkommt, ein zugedröhnter Stylo, der Drogen dabei hatte, die die Polizei noch nie gesehen hat (ganz was neues, meinte er, Chinaballs oder so ähnlich) und ein Mädel, das auf der Straße ihrem Exfreund begegnet ist und sie umbringen wollte...


Kolay gelsin,
gkk

Dienstag, 7. Dezember 2010

Fenerbahce buraya, buraya, buraya...

Eines der wichtigsten Dinge, die man machen sollte, um eine Stadt kennen zu lernen, ist ins Fußballstadion zu gehen. Da war ich nun am Sonntag auch endlich zum ersten Mal.

Da Istanbul nicht eins, nicht zwei sondern gleich drei Teams in der Süperlig hat, muss man sich erstmal für eine Mannschaft entscheiden - und damit gleichzeitig für einige neue Freunde und gegen noch mehr neue Freunde. Es ist hier ein sehr großes Ding zu welcher Mannschaft man hält. Ich widerstehe bisher, allen Überredungsversuchen, eine bestimmte Mannschaft anzufeuern. Per Zufall ging's dann aber ins Fenerbahce-Stadion auf die asiatische Seite.

Dort habe ich sehr schnell gemerkt, dass die Türken auch beim Fußball sehr leidenschaftlich und emotional bei der Sache sind. Auf den Stühlen wird wahlweise gestanden, getrampelt oder getanzt, aber bestimmt nicht gesessen, gebrüllt sowieso in einer Tour und wenn ein Tor fällt, liegen sich alle in den Armen... War sehr interessant mitzuerleben. Obwohl ich dann am nächsten Tag erfahren habe, dass Besiktas am gleichen Tag gegen seinen Erzfeind Bursa (die wegen Besiktas vor einigen Jahren mal abgestiegen sind) gespielt hat - da hatten die gegnerischen Fans, die man übrigens in einen Käfig eingezäunt hatte, schon vor Spielbeginn sämtliche Stühle aus dem Block rausgerissen =)

Wie geht's eigentlich in der Bundesliga zu? Ist schon Winterpause? Wer ist Herbstmeister? Wo steht St. Pauli?

Bilmiyorum.
gkk

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Erster Dezember


Während die meisten auf Facebook Fotos von verschneiten Straßen posten, saß ich heute abend mit meinem Dad beim Essen (ja, mein Dad ist zu Besuch) im Freien, im Café Ara, das einem berühmten Istanbuler Fotograph gehört, haben türkischen Kavhe genossen und den Tag Revue passieren lassen.

Es ist kaum zu fassen, dass heute tatsächlich schon der erste Dezember ist. Hier hat es tagsüber immer noch laue 16,17 Grad - wie Sommer in Hamburg also - die Leute sitzen draußen, die Sonne scheint tagsüber, Weihnachtsdeko ist hier auch nur in direktem Zusammenhang mit Konsum zu finden, traditionelles wie Weihnachtsmarkt, Glühwein etc. gibt es natürlich nicht. Kaum zu glauben ist auch, dass damit schon der letzte Part meines Aufenthaltes hier angebrochen ist. Momentan funktioniert Verdrängen noch ganz gut, aber es steht eine Menge Arbeit an, für Tests lernen. Präsentationen halten, Papers schreiben. Und Mitte Januar wird das Semester schon vorbei sein. Jetzt, wo man gerade erst das Ticket für die Öffentlichen bekommen hat, seine Leute gefunden, sich in der Stadt ein bisschen auskennt. Und es gibt noch so viel zu entdecken.

"I knew it would be fast, but at the moment I'm like 'Wow, it's going so fast'!" Damit hatte mein Kumpel heute total recht, genau so ist es.

Arkadaslarim, iyi aksamlar!
gkk