Freitag, 28. Januar 2011

On the road


Ein paar der freien Tage bis zu meinem Sprachkurs habe ich diese Woche genutzt, um noch mehr von diesem verrückten Land zu sehen, in dem ich nun schon seit einem halben Jahr lebe. Und der Trip, der mich zuerst nach Izmir, Efes und über Eskisehir zurück nach 34 geführt hat, war aufregend, schön und lehrreich zugleich.

Freitags gings erst per Flugzeug nach Izmir, zusammen mit meiner Mitbewohnerin zu ihren Eltern In der Stadt am Mittelmeer habe ich dann einige Tage türkisches Familienleben, Essen, "Kleinstadtleben" (Izmir hat ca. 3,5 Millionen Einwohner, Istanbul geschätzte 17 - 20 Millionen) genossen bevor ich mich am Montag per Bus, Dolmus und Taksi zuerst nach Selcuk and dann nach Efes durchgekämpft habe. Efes ist nicht nur die bekannteste Biermarke der Türkei, sondern war eine der ältesten, bedeutendsten und größten Städte des antiken Griechenlands.

Dienstag habe ich mich dann in einen der hier so üblichen Überlandbusse gesetzt und auf den Weg nach Eskisehir gemacht. Vom Mittelmeer gings über leere Straßen die Berge hinauf, vorbei an kleinen und kleinsten Dörfer, Flüssen, einsamen Landschaften bis irgenwann nur noch weiß zu sehen war. Schneesturm. Zwischendurch immer wieder irgendwo anhalten, um Leute aufzusammeln, für die diese täglichen Busse zwischen den Städten der Türkei die einzige Möglichkeit sind, aus ihrem Kaff rauszukommen.

Endlich in Eskisehir angekommen, habe ich mir dann ein fancy Hotelzimmer mit Doppelbett und Flatscreen gegönnt und abends bin ich mit einem Kumpel, der aus Eskisehir kommt, um die Häuser gezogen. Mittwoch bin ich mit der türkischen Staatsbahn zurück nach Istanbul gefahren, wo mich mein zu Hause, jede Menge Lärm und Chaos erwartet haben - aber auch Freunde, Spaß und mein eigenes Bett.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass der Trip eine ganz schöne Herausforderung war, aber auch wunderschön und mich das Nebeneinander von Moderne und Ursprünglichem, die Gastfreundschaft der Türken und diese unglaubliche Landschaft enorm beeindruckt haben.

In der Türkei hat jede Stadt eine bestimmte Nr. als Autokennzeichen, alphabetisch geordnet. Istanbul ist 34, Izmir 35 und Adana, eine Stadt im Südosten der Türkei ist die Nummer 1.

Görüsürüz canlarim,
gkk

Mittwoch, 19. Januar 2011

Entlastet, frei und leer.

Vor wenigen Stunden habe ich die zweite Seminararbeit und damit meine letzte Prüfung für dieses Semester hinter mich gebracht, das heißt der Prüfungsstress hat ein Ende, ich bin frei - und total happy. Zumindest dachte ich, dass ich das sein würde.

Anstatt - wie angekündigt - in die Luft zu springen und zu jubeln, saß ich gedankenverloren ganz lange mit einem Kaffee in der Sonne und hab auf den Bosporus gestarrt.

Eine leichte Traurigkeit macht sich breit und die Gewissheit, dass es das hier nun bald für mich war. Ich meine, klar, ich werde noch einige Wochen hier verbringen, aber mein Semester ist um, der Campus wie leer gefegt und seit Sonntag hab ich täglich Freunde verabschiedet, die sich schon auf den Weg in ihre Heimatländer gemacht haben. Dabei hab ich irgendwie das Gefühl, mein Leben hier hat doch erst angefangen.

Und dann ist's einfach so vorbei? Die Menschen weg, und nur die Fotos bleiben?
gkk

Montag, 10. Januar 2011

Baba, anne, kuzen ve koca Istanbul'da

Über's WE hab ich trotz Prüfungshochphase eine kleine, mehrtägige Lernpause eingelegt und bin stattdessen ins türkische Familienleben eingetaucht. Die Eltern meiner Mitbewohnerin plus Cousine und Mann waren zu Besuch. Das hat so einiges mit sich gebracht. So wurde mir zum ersten Mal der Kaffeesatz gelesen - war ja auch endlich Zeit! Und ja, ich weiß, die meisten schmunzeln jetzt, wenn sie das lesen, aber die Frau wusste so einiges. Manche Kleinigkeiten haben nicht gestimmt, andere dafür schon. Und für die Zukunft, naja, mal sehen :)

Samstagabend ging es dann zu einem türkischen Essen in's Restaurant mit Blick auf den Bosporus und lecker Mezze (das sind ganz viele kleine Vorspeisenteller), Raki (was übrigens nicht mit "i" gesprochen wird, sondern eher mit so nem "eh"), gegrilltem Fisch und richtig schön Familiendiskussion. Ich hab zwar nicht so viel verstanden, aber es ging schon ein bisschen rund. Und sehr lerreich war es noch dazu: meine Mitbewohnerin ist nämlich wirklich sehr liberal aufgewachsen, ist total selbstbewusst und überhaupt. Und trotzdem hat man sehr schnell gemerkt, dass ihr Dad der Familienpatron ist, dem nicht so wirklich contra gegeben wird. Fand ich wieder einmal sehr interessant.

Sonntag, 2. Januar 2011

Mutlu yillar 2011 herkese!

Ich habe den Abend zwischen den Jahren mit Freunden aus Holland und Schweden verbracht, zuerst sehr simples, aber sehr leckeres türkisches Essen, dann ein paar Gin Tonic und Moet zu Hause und anschließend auf zwei Hausparties vorbeigeschaut. Um Mitternacht wollten wir eigentlich auf so ner Aussichtsplattform sein, von der aus man einen schönen Blick über den Bosporus hat. Nur sind wir viel zu spät los, um 12 Uhr noch durch die Straßen gehetzt und letztendlich 15 Minuten zu spät ins neue Jahr gekommen. Egal :)

Ich bin ja kein Fan von Silvester und Neujahrspathos, noch weniger will ich jetzt während meiner Zeit hier in der Türkei das Gefühl haben, dass nun eine neue Etappe beginnt und alles irgendwie anders werden wird/soll/muss. Ich sehe mich inmitten einer wunderschönen Zeit meines Lebens und die dauert auch noch ein bisschen, denke ich. Hoffe ich...

Ich wünsche euch für 2011 nur das Allerbeste.
Mutlu yillar!
gkk