Donnerstag, 21. August 2008

Leute, dass Leben hat mich wieder...


Ganz recht. Seit Dienstag sind die Fäden raus und ich kann erstens wieder ohne Sorgen lachen, zweitens wieder unter die Leute gehen und drittens gehts mir jetzt wieder richtig gut. Ein bisschen taub ist die operierte Stelle noch, aber nicht der Rede wert.

Interessanter Weise hat mich meine neue Freiheit erst einmal in meine Vergangenheit geführt. Zu Männern aus meiner Vergangenheit

Dienstagabend: mein Cousin. Früherer allerbester und wohl auch allererster Freund. Fast Bruder. Leider ist die gemeinsame Zeit seit vielen Jahren viel zu selten geworden. Ein paar Stunden am Laptop rumwerkeln - er hat gewerkelt, ich hab zugeschaut und vermutlichblöde Fragen gestellt - ein bisschen reden. Nix besonderes und doch - irgendwie schon wieder was besonderes. Laptop geht. :-) Und vielleicht gibts demnächst ja mal einen gemeinsamen Abend, ohne dass ich um einen Gefallen bitten muss.

Donnerstag von früh bis spät: Exfreund, erste große Liebe. Es war total anstrengend aber auch erfolgreich. Wir haben für seine neue Wohnung wirklich alles gefunden was er brauchte. Und ich genieße es total, dass ich bei ihm immer noch einfach Ich sein kann. Voll und ganz. Wir verstehen uns, wir kennen uns einfach, können gemeinsam lachen und uns in den Arm nehmen. Reden, ganz offen. Manchmal kann ich es kaum glauben, dass es so ist, aber ich bin dankbar dafür und irgendwie auch stolz auf uns.

Was ich eigentlich los werden möchte: man sollte, auch wenn es manchmal Mühen kostet, die alten Freunde und wichtigen Menschen nicht vergessen, nur weil neue hinzukommen oder sich die Wege mal getrennt haben. Man kann immer wieder zusammenfinden.


Achja, das Foto links ist richtig schön eklig und entstand nach einer richtig guten Silvesterparty in den ersten Stunden dieses Jahres. Für euch mag es nur eklig sein, aber ich verbinde schöne Erinnerungen an eine schöne Zeit damit - und dass ist doch das entscheidende. Ich wünsche euch, dass ihr auch solch ein Foto habt.


Viele Grüße aus der Kleinstadt,
gkk

Samstag, 16. August 2008

Post-OP-Depri

Seit Dienstag sitz ich nun zu Hause rum und warte, dass ich wieder unter die Leute gehen kann. Seit DIENSTAG!

Eigentlich gehts es mir ja schon besser - immerhin kann ich mittlerweile essen, mhm. Und wenn ich rede, versteht mich meine Familie sogar ohne nachzufragen. Fortschritt. Aber wenn mich eine Freundin anruft oder ich einen Witz mache, stehe ich vor dem Problem, dass ich nicht ohne Schmerzen lachen kann. Und es auch nicht sollte, da sonst die Narbe aufreißt. Also, lieber noch ein bisschen selbstgewählte Iso-Haft...
Ja jedenfalls, vielleicht liegt es wirklich nur an meiner momentanen Situation, aber als heute die Karte aus Südafrika gekommen ist und dann mein Ex sich gemeldet hat, wann ich ihm beim Möbel kaufen helfen kann, wurde mir eins ganz deutlich klar: Alle bewegen sich, nur bei mir geht nichts vorwärts. Gar nichts. Akuter Stillstand. Status quo. Und das schon seit fast einem halben Jahr.

D., eine meiner besten Freundinen hat in der Zeit ihren dritten Lover, J. ihre Arbeitsstelle gewechselt und für A. geht es in ein paar Wochen nach England. Mein Ex zieht wie gesagt in eine neue Stadt, L. kommt nächste Woche aus Afrika zurück und I. zieht Ende des Monats mit ihrem Freund zusammen. Und ich? Ich kann mich noch nicht mal für ein Thema für meine Abschlussarbeit entscheiden.

Naja, ich sitz einfach noch ein bisschen hier rum und warte. Irgendwann schaut das Leben vielleicht auch bei mir vorbei. Hoffe ich. Wenn nicht, muss ich suchen gehen...

Viele Grüße aus der Kleinstadt,
gkk

Donnerstag, 14. August 2008

Soll man schweigen oder seinen Senf dazu geben? Zu den Spielen in Peking 2008

Ich glaube, fünf Mal hab ich schon einen Text dazu angefangen und wieder verworfen. Weil ich nicht wusste, was ich schreiben sollte und weil das Thema mittlerweile so umfangreich und schwierig ist und, das trifft hier wohl in ganz besonderem Maße zu, weil ich als durchschnittliche deutsche Medienkonsumentin nur sehr begrenzt Einblick habe, was wirklich abgeht. Ich rede von Olympia.

Gebe ich bei Google "Olympia 2008" ein, erscheinen an 1. und 2. Stelle Eigenwerbung des genannten Internetriesens sowie der Liveticker von n-tv. An dritter Stelle sehe ich, dass China mit mittlerweile 22 Goldmedaillen seinen Vorsprung im Medaillenspiegel weiter ausgebaut hat. Das ist, was ich auf meinem Bildschirm lesen kann. Denken muss ich dabei an viel mehr.

Doping. Autoritäres Regime. Betrug. Propaganda. Tibet. Symbolische Politik. Medienberichte. Pressefreiheit. Jahrelanges Training. Die vielen Menschen und ihre ganz persönlichen Geschichten dahinter.

Wissen wir, was läuft?

Fast jedes Mal, wenn ich beim Zappen zufällig einen Wettkampf sehe, werden neue Weltrekorde aufgestellt. Teilweise um mehrere Sekunden werden die Bestmarken vorheriger Wettkämpfe unter- oder überboten.

Ich sehe Show. Eine Eröffnungsfeier der Superlative. Tausende von Menschen, gleich gekleidet, die simultan die gleichen Bewegungen ausführen. Immer und immer wieder. Das hat etwas beängstigendes.

Ich sehe Straßenkämpfe, wo Polizisten auf unbewaffnete Mönche losgehen. Woher nimmt der Dalai Lama schnell wieder seinen Anspruch auf politische Führung? Lasse ich mich von der tendentiellen Berichterstattung beeinflussen?

Ich sehe George Bush, der schnell mit seiner The-stars-and-stripes winkt, als er sich im Bild der Kamera sieht.

Smog. Fahrverbot. Wanderarbeiter. Militär. IOC. Sponsorenverträge. Proteste. Krieg statt olympischer Frieden. Und ein bisschen Sport


Wohl eher nicht.



Trotz allem sollte man die sportlichen Leistungen nicht aus den Augen verlieren. Und dazu zählen auch die Erfolge, die die deutsche Mannschaft in China erzielt hat. Eine Freude anzusehen! http://de.youtube.com/watch?v=H9UsF_AZBoM


Wer über die sportliche Seite der Spiele auf dem neuesten Stand bleiben will:
http://sport.ard.de/sp/olympia/
http://www.sueddeutsche.de/sport/543/302539/uebersicht/



Achja, immer im Schatten des Vaters, aber mindestens genauso interessant und meiner Meinung nach viel beeindruckender: die Paralympics. Sie finden in diesem Jahr vom 6. bis zum 17 September statt.

Viele Grüße aus der Kleinstadt,
momentan selbst sehr unsportlich unterwegs
gkk

Mittwoch, 13. August 2008

Verstecken spielen

Seit gestern verstecke ich mich. Vor der Welt und allen. Mit meinen Freunden kommuniziere ich nur per SMS, weil ich nicht richtig reden kann. Ich verstecke mich vor Verwandten, vor den Nachbarn. Ans Telefon geh ich nicht, wenn es an der Tür klingelt zucke ich erst zusammen, um dann reglos weiter in den Fernseher zu starren. Gelangweilt, entnervt, latent depressiv.

Nach einer helftigen Infektion vor zwei Wochen, die mich fast eine Woche an mein Zimmer fesselte und mir sieben Tage meiner Ferien und jede Menge Spaß kostete, hänge ich nun schon wieder zu Hause rum. Gestern musste ich operiert werden - im Gesicht.

Eigentlich würde ich mich nicht als eitel bezeichnen. Gut, ein bisschen Marscara trage ich immer auf, wenn ich aus dem Haus gehe, aber das wars auch schon. Make-Up besitze ich nicht mal und ich gehöre auch nicht zu der Sorte, die beim Essen nur einen kleinen Salat bestellt und anschließend eine halbe Stunde joggen geht, weil im Dressing Sahne war. Ganz bestimmt nicht. Aber jetzt, wo ich für ein paar Tage - und hoffentlich wirklich nur für ein paar Tage - "entstellt" bin, merke ich, wie wie sehr man sich doch Gedanken um das eigene Äußere macht. Selbst vor dem Menschen, die mich kennen und jeden Tag sehen, die ich seit meiner Kindheit kenne, denen ich vertrauen kann, schäme ich mich. Nur weil ich nun für ein paar Tage ein bisschen wie eine Ente aussehe.

In ein paar Tagen ist es hoffentlich vorbei und dann gehe ich meinen Cousin besuchen, im Wald joggen, einkaufen, Eis essen und verreise. Und ich freue mich schon darauf, die Leute ungehemmt anzulächeln.

Oh - es klingelt. Ganz leise und nur nicht bewegen. Hoffentlich kann man das Flimmern des Fernsehers draußen nicht sehen...

Viele Grüße aus der Kleinstadt,
gkk


Zum Glücklichsein braucht man eigentlich nur Gesundheit und ein schlechtes Gedächntnis //Ernest Hemingway

Freitag, 8. August 2008

Summer in the city - und viel zu wenig Zeit

Endlich! Heute habe ich meine letzte Seminararbeit abgegeben und somit habe ich nicht nur offiziell, sondern auch praktisch Semesterferien. Endlich Zeit - könnte man meinen. Wäre da nicht...das Leben.
Also, heute früh um halb sieben raus, ab in die Arbeit, dann in die Bib, weil ja schließlich bald meine Abschlussarbeit ansteht - Bücher suchen, Bücher bestellen, Bücher kopieren - und schon ist es mittag vorbei. Am Nachmittag dann mit einer Freundin treffen, schließlich hat man ja auch noch ein soziales Leben zu führen beziehungsweise möchte ein soziales Leben haben und seine Freunde treffen. Nur manchmal artet es echt in bisschen in "Freizeitstress" aus - das Kaffee trinken mit Plaudern als Termin den man einhalten muss. So sollte es aber eigentlich nicht sein.
Naja, jedenfalls war es schön und lustig mit den Mädels. Und jetzt muss ich nochmal kurz in die Arbeit, und nachholen, was ich am Vormittag nicht geschafft habe. Dann in der Bib noch dieses eine Buch kopieren, anschließend Lebensmittel einkaufen, die Wohnung gehört geputzt und ich muss für die Grillfeier ein Tiramisu machen und dann...
Ja, so entspannt sind meine ersten freien Tage. Ich hoffe, es geht nicht nur mir so :-)
Und irgendwie ist es ja auch schön.

Viele Grüße aus der Kleinstadt,
gkk

Montag, 4. August 2008

Sonntagsblues

Und plötzlich war es wieder da. Dieses Gefühl. Bleischwer und zäh wie Gummi traf es mich völlig unerwartet. Vielleicht weil Sonntag war. Ja, vielleicht bin ich anfällig für den Sonntags-Blues. Wenn es den gibt, wenn nicht, erfinde ich ihn hiermit.

Eigentlich war das Wochenende echt schön. Nach sieben Tagen Zwangspause und Iso-Haft wegen einer Infektion konnte ich meine Freie Zeit genießen. Mit der Freundin den Freitagnachmittag in der Stadt vertrödeln, Pläne für den bevorstehenden Urlaub machen, Samstag mit der gesamten Family grillen, abends weggehen und am Sonntag Fußballplatz. Selbst als ich mich abends ins Auto setzte, auf der gesamten Fahrt Richtung Studium und Arbeit war keine Spur von dieser Zerrissenheit zu spüren.

Zurück in der Stadt, war ich ohnehin gleich verabredet, hatte also gar keine Zeit zum durchatmen, geschweige denn zum Nachdenken. Aber auf dem Heimweg. Wie so oft während der vergangenen Jahre ging den Schleichweg zu meiner Wohnung hoch. Da fing es schon an. Dann noch die leere Wohnung, das nicht bezogene Bett, der offene Koffer auf dem Boden. Da wurde mir wieder klar, dass ich unterwegs bin. Unterwegs durch mein Leben, durch die Zeit, allein und ich nicht weiß, wo ich hingehöre. Auf der Suche nach den eigenen Wünschen, nach Menschen, die einem so wichtig sind, dass es weh tut. Auf der Suche nach dem Einen, was einem Erfüllung bringt.

Ich weiß nicht wohin ich gehe.
Kommt man jemals an?