Ein Typ wandert um Berlin, von Potsdam nach Potsdam. Das ist der Plot der Dokumentation Heimatkunde, die ich am Samstag hier im Kino gesehen habe. Nicht sonderlich spannend, könnte man meinen. Zuerst trifft er einen Nudisten, der sich, über die Steifheit seiner Mitbürger beklagend, auf einer modrigen Eisenbahnbrücke sonnt. Noch ein paar Spinner, Misanthropen und Rentner folgen. Doch vor allem trifft er: Ossis und Wessis.
Ich konnte es nicht fassen. Dass die Menschen immer noch in diesen Kategorien dachten und – noch schlimmer – sich auch selbst damit identifizierten. Ganz bewusst. Und vor allen Dingen konnte ich es nicht fassen, dass die Leute immer wieder sagten „In der DDR war es gar nicht so schlecht.“ Ich konnte es einfach nicht fassen
Heute bin ich selbst in den Osten gefahren. Vorbei an Plattenbausiedlungen bis nach Hohenschönhausen. Dort befindet sich das Areal eines ehemaligen Stasigefängnisses. Der Besucherführer, Karl-Heinz Richter, war selbst politischer Gefangener in der DDR. Nachdem er einer Reihe von Freunden zur Republikflucht verholfen hatte, suchte er als 17-Jähriger selbst die Freiheit – und fand sich stattdessen einer einer kahlen Zelle mit Holzpritsche und einem Alueimer wieder.
Folter, psychologisches Zermürben, Isolation. Zellen ohne Fenster und Verhörbüros. Und dazu die Schilderungen eines Zeitzeugen, der das, was er damals erlebt und erleidet hat, nie mehr verwinden wird. Was ich heute gesehen und gehört habe, war gleichzeitig unglaublich spannend und makaber. Und einmal mehr: unfassbar.
Noch nie zuvor kam mir die Vergangenheit Deutschlands so wahrhaftig vor. Noch nie war mir so bewusst, dass der Boden, auf dem ich stehe, gelebte Geschichte ist. Weltkrieg, Besatzung, Mauerbau – das alles ist hier in Berlin passiert. Und dann musste ich wieder an den Film denken, und an den Satz „In der DDR war es gar nicht so schlecht.“
Auf dem Weg von der Gedenkstätte zur Bahn bin ich fast gerannt.
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