Dienstag, 14. September 2010

Türkei für Anfänger, Lektion 1

Es gibt so viel über die Menschen hier, das Leben und die Kultur, was ich euch erzählen möchte. Bloß kann ich euch nicht mit allen Eindrücken und Erfahrungen auf einmal bombadieren. Deswegen gibt es ab sofort regelmäßig "Türkei für Anfänger"-Posts, in denen ihr mit mir was über dieses Land lernen könnt, das mich doch täglich überrascht und zum Schmunzeln bringt. Kultureller Filter, Stereotype, Identität, ihr wisst schon...

Heute: Lektion 1 - Türkisches Business ist mobil

Der Türke im Allgemeinen ist ein sehr geschäftstüchtiger Mensch. Nicht nur dass einfach alle Läden hier bis spät in die Nacht geöffnet haben, nein. Das Sortiment variiert auch gerne mal. Als es vor zwei Tagen geregnet hat, und ich mich noch ärgerte, dass ich meinen Schirm nicht mitgenommen habe ("brauche ich frühestens in zwei Monaten"), standen überall in der Stadt plötzlich Regenschirmverkäufer. Überall. Was verkaufen die wohl sonst so?

Ich habe mich gefreut und bin gleich zum ersten hin, um auf einen Schirm zu deuten und ihm mein Geld unter die Nase zu halten. Statt mit Rückgeld kam er dann erstmal mit einer Tasse Tee aus seiner Kammer zurück und hat mir seinen Stuhl angeboten. Da saß ich nun, um strömenden Regen mit einer Tasse Tee unter dem schmalen Dach. Er neben mir stehend, mit meinem soeben gekauften Schirm. Wenn ich ihm was erzählte, hat er gegrinst und genickt, und wenn er mir was erzählte, hab ich gegrinst und genickt.

Überhaupt ist so ein türkisches Geschäft schnell aufgebaut. Man braucht nur eine Schachtel oder irgendwas, was man als Tischchen verwenden kann, stellt sich auf die Straße, und verkauft: Muscheln, Schmuck, Lose, Sesamkringel, Wasser... Auf der Straße zur Metro kippen die täglich einen Haufen Holz auf den Bürgersteig und räumen es abends wieder weg um es am nächsten Tag wieder genauso zu machen. Und dann gibt es da noch die Typen, die mit Holzkarren durch die Straßen laufen und Möbel einsammeln. Alles was drauf liegt, kann man ihm wieder abkaufen. Wie wird man bitte mobiler Trödelhändler?

Am besten gefällt mir aber, dass man sich hier alles, wirklich alles nach Hause bestellen kann. Man meldet sich nur mit seinem Stadtteil auf einer Internetseite an, und dann sieht man alle Läden, Kioske etc. die in der Umgebung was liefern und muss nur noch bestellen. Ich kann, während ich auf meinem Wohnzimmersofa sitze übers Internet bei McDonalds bestellen und die bringen es zu mir nach Hause. Awesome, no?

Grüße,
gkk

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